Einführung in die Buchgestaltung

Jost Hochuli (CH)

Bücher gestalten ist die Königsdisziplin des Grafikdesign.

Wie in kaum einem anderen Bereich, treffen hier die Ansprüche moderner Gestaltungsarbeit auf jahrhundertelang erprobte Traditionen. Und neben den konzeptionellen Zugängen im Makrolayout geht es hier vor allem auch um die tausend kleinen Details der Mikrotypografie. Nur wenn beide Bereiche beherrscht werden, entsteht ein ansprechendes Buch.  Wir haben für diesen Workshop einen der besten Buchgestalter der Welt gewinnen können: Jost Hochuli. Dieser Schweizer Buchgestalter nimmt in seinem Umfeld eine Sonderstellung ein: Zeitlebens versuchte er einseitige Festlegungen, was ein gutes Buch ausmacht, zu vermeiden und Gegensätze produktiv miteinander in Beziehung zu bringen. Weder sind für ihn der Satz auf Mittelachse oder eher klassische Gestaltungsschemata von vornherein »konservativ«, noch machen Asymmetrie und serifenlose Schriften schon ein gutes, »modernes« Buch.  Dieser fünftägige Workshop bietet eine einmalige Gelegenheit, sich gemeinsam mit Jost Hochuli mit jenen Dingen zu beschäftigen, auf die es bei der Gestaltung eines schönen Buchs ankommt.

Jost Hochuli, geboren 1933, aufgewachsen und Schulen in St.Gallen. Ausbildung zum Gebrauchsgrafiker an der dortigen Schule für Gestaltung. Setzerlehre in der Offizin Zollikofer & Co. AG in St.Gallen und an der Schule für Gestaltung Zürich. Seit 1959 eigenes Atelier mit Schwerpunkt Industriegrafik, Schrift- und Buchgestaltung in St.Gallen. Daneben publizistische Tätigkeit und im Nebenamt Lehrer für Schriftschreiben und -zeichnen sowie Typografie an den Schulen für Gestaltung in Zürich und St.Gallen. 1979 Mitgründer und während 25 Jahren Präsident der Genossenschaft VGSVerlagsgemeinschaft St.Gallen. Ausstellungen, Workshops und Vorträge im In- und Ausland. Zahlreiche prämierte Bücher an den Wettbewerben Schönste Bücher der »Schweiz« und »Schönste Bücher aus aller Welt«. Gutenbergpreis der Stadt Leipzig, Jan-Tschichold-Preis.

Publikationen (Auswahl)

  • Jost Hochuli, Das Detail in der Tyografie. Sulgen, Zürich, Niggli 2, 2005; (in 8 weiteren Sprachen erhältlich)
  • Jost Hochuli, Bücher machen. Zusammen mit Robin Kinross. St.Gallen, VGS 1996; (auch englisch erhältlich: Designing books. London: Hyphen Press 3, 2006)
  • Jost Hochuli, Drucksachen, vor allem Bücher/ Printed matter, mainly books, Sulgen, Zürich, Niggli, 2002

Kursinhalte im Detail

  • Konzept und Gestaltung einer einlagigen Broschüre. Die Arbeit ist als Einführung in die Buchgestaltung, speziell in die Buchtypografie angelegt. Die Funktionen der Teilgebiete Mikro- und Makrotypografie werden diskutiert. Speziellen Wert wird auf das oft vernachlässigte typografische Detail (die Mikrotypografie) gelegt.
  • Die praktische Aufgabe besteht darin, einen von den Studierenden individuell ausgesuchten Gegenstand oder ein Gebäude in einer 24-seitigen Broschüre in Bild und Text vorzustellen. Die Aufgabe enthält neben frei zu wählenden Elementen (z.B. das Format) auch einzelne genau einzuhaltende Bestimmungen (z.B. Titelhierarchie). Was Kür und was Pflicht ist, wird in der konkreten Aufgabenstellung detailliert umschrieben. Der Leiter des Workshops legt größeren Wert auf einen intensiv erlebten Weg als auf ein perfektes Resultat (obwohl es schön wäre, wenn ein solches am Ende der Woche vorliegen würde).

Grundsätzliches zum Thema
Das Buch ist ein dreidimensionaler Körper. Geöffnet, ist es in seiner heute üblichen Codexform — im Gegensatz zur Buchrolle — von spiegelsymmetrischer Gestalt. Jede, auch asymmetrisch angelegte Typografie, hat deshalb auf die dem Gebrauchsgegenstand Buch innewohnende Symmetrie Rücksicht zu nehmen. Die Symmetrieachsedes Bundes ist immer da; man kann sie zwar überspielen, aber nicht negieren. Buchtypografie unterscheidet sich dadurch grundsätzlich von der Typografie von Einzelblättern wie Geschäftsdrucksachen, Plakaten usw.  Die Symmetrieachse ist die eine wichtige Gegebenheit, auf die die Buchgestaltung Rücksicht zu nehmen hat; die zweite ist das kinetische Moment, der Bewegungsablauf, der beim Umblättern der Seiten entsteht.  Da die Abfolge der Seitenpaare auch eine zeitliche Dimension einbezieht, ist die Aufgabe, die der Buchgestalter zu lösen hat, im weitesten Sinne ein Raum-Zeit-Problem. Diese Aufgabe gliedert sich in einzelne Teile: Format, Umfang, Typografie (diese drei bedingen einander teilweise); Materialien; Reprografie; Druck; Ausrüstung. Aus praktischen Erwägungen werden während des Workshops zwar alle diese Fragen berührt, einläßlicher behandelt aber wird nur die Typografie, und diese in erster Linie im Hinblick auf Übersichtlichkeit, Lesbarkeit und Leseappetenz.  Während sich die Makrotypografie — die typografische Anlage, das Layout — mit dem Format, der Größe und der Platzierung des Satzspiegels sowie der Abbildungen, mit der Organisation der Titelordnung, der Legenden und aller Paratexte befasst, fallen unter den Begriff der Mikrotypografie die folgenden Einheiten: Buchstabe, Buchstabenabstand/Wort, Wortabstand/Zeile, Zeilenabstand/Kolumne. Sofern eine optimale Rezeption eines Textes angestrebt wird, sind die makrotypografischen Elemente für die Übersichtlichkeit, die mikrotypografischen Einheiten für die Lesbarkeit sorgfältig zu beachten. In theoretischen Blöcken werden, vor allem anhand von Projektionen (und wenn immer möglich auch von Originalen), die oben angesprochenen Themen vertieft behandelt und Beispiele zur gestalterischen Entwicklung des deutschsprachigen Buches im 20. Jahrhundert gegeben.

Zielgruppe, Voraussetzungen
BuchgestalterInnen und TypografInnen. Einschlägige Kenntnisse im Umgang mit Typografie sind unbedingt erforderlich!

Und außerdem sehr wichtig …

  • Entwurfsmaterialien: Lineal, Bleistifte, Gummi, Kugelschreiber, Schere, Cutter, Notizblock oder -büchlein.
  • Eigener Laptop (halbwegs zeitgemäß) mit den für die Entwurfsarbeit benötigten Anwendungsprogrammen (InDesign, XPress).
  • Darauf installiert eine repräsentative Auswahl umfassend ausgebauter Schriften für den Buchsatz, beispielsweise Baskerville, Bembo, Bodoni Bauer, Caecilia, Centennial, Collis, Dante, ITC Franklin Gothic, Frutiger, Futura, Gill Sans, Helvetica, Janson, Lexicon Nr. 2, Adobe Minion, Sabon, Scala, Scala Sans, Trinité Nr. 2, Times New Roman, Univers (Copyrights beachten!)


Rückblick

 

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