Wahrnehmen, Ideen finden, Gestalt geben

Kurt Weidemann (D)

»Geben Sie mir tausend Mark dafür, dass ich Ihnen empfehle, nichts zu machen.«

Es gibt nicht viele Gestalter, die so etwas sagen können ohne dabei unglaubwürdig oder ein wenig durchtrieben zu wirken. – Kurt Weidemann kann das. Er ist mit Otl Aicher der wohl bekannteste Grafikdesigner Deutschlands der Nachkriegszeit. Und wie dieser erlangte Weidemann auch als Typograf, Autor und Lehrer eine Bekanntheit, die weit über die engeren Grenzen des Fachs hinaus reicht.  Seine Erscheinungsbilder für Zeiss, Mercedes-Benz, Porsche oder die Deutsche Bahn AG zeigen vor allem eines: Weidemanns untrügliches Gespür für die Möglichkeiten und Grenzen von Grafikdesign. Das, was ist, wird nie leichtfertig über Bord geworfen, sondern dient im Gegenteil oft als Ausgangspunkt für die gestalterische Arbeit. Zu ideologischen Diktaten, seien es jene der Schweizer Typografie, der Ulmer Schule oder dem in Designerkreisen verbreitet spürbaren Drang, um jeden Preis etwas Neues schaffen zu wollen, stand und steht Kurt Weidemann in kritischer (wenn auch aufmerksamer) Distanz.  Bekannt wurde der gelernte Schriftsetzer aber auch für seine beiden Schriftentwürfe, die »ITC Weidemann« und die »Coporate A/S/E«. Erstere wurde als eher schmal laufende Schrift für eine Bibelausgabe entworfen und erfreut sich heute nicht nur im Bereich der Buchgestaltung großer Beliebtheit; letztere – die »Coporate« – dient Mercedes Benz noch heute als Hausschrift. Sie wurde als eine umfassende Schriftfamilie angelegt, die eine Antiqua (A), eine Serifenlose (S) und eine Serifenbetonte (E) umfasst.  Man könnte noch viele weitere Beispiele für seine weit ausholende Tätigkeit als Grafikdesigner, Buchgestalter und Typograf aufzählen (einen guten Überblick gibt sein Buch »Wo der Buchstabe das Wort führt«). Bei seinem Lichtbildvortrag mit Diskussion in Innsbruck geht es um die Ideenfindung und den Umgang mit den Gestaltungsmitteln in der visuellen Kommunikation: Typographie, Fotografie, Illustration, Textfindung und Markenstrategie in der Werbung, Gestaltung von Serien. Wir freuen uns auf den Besuch von Kurt Weidemann, den man mit seinen bald 90 Jahren zu Recht den »großen alten Mann« des deutschen und europäischen Grafikdesigns nennen kann.

»Coporate A/S/E«
»Coporate A/S/E«

Kurt Weidemann, geboren 1922 in Ostpreussen/Masuren (heute Polen). Nach Krieg und Gefangenschaft in Russland (1941-1950) Schriftsetzerlehre in Lübeck und Studium an der Staatlichen Akademie der bildenden Künste in Stuttgart. Seit 1957 Tätigkeit als freiberuflicher Gestalter. Weidemann baute Anfang der 1960er Jahre das International Center for the Typographic Arts in New York mit auf und war von 1966 bis 1972 dessen Präsident. Überarbeitung oder Neugestaltung von Erscheinungsbildern für zahlreiche große Unternehmen, darunter COOP, Zeiss, Merk AG, Mercedes-Benz, Daimler-Benz, Porsche und die Deutsche Bahn AG. Weiters hat er Bücher für Verlage wie die Büchergilde Gutenberg, Ullstein/Propyläen, Thieme und Klett gestaltet. Bekannt ist Weidemann auch für seine Schriftentwürfe »Weidemann« (erschienen bei ITC) und die Schriftfamilie »Corporate A/S/E« (Hausschrift von Mercedes-Benz). Als Professor lehrte er von 1964 bis 1983 an der Staatlichen Akademie der bildenden Künste in Stuttgart, danach an der WHU – Otto Beisheim School of Management in Vallendar und seit Gründung an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe im Zentrum für Kunst und Medientechnologie in Karlsruhe. Seit 2006 ist er Ehrensenator der Staatlichen Akademie der bildenden Künste in Stuttgart.

Publikationen (Auswahl)

  • Kurt Weidemann, Wo der Buchstabe das Wort führt. Ansichten über Schrift und Typographie, Hatje Cantz Verlag, 1997
  • Kurt Weidemann, Kurtstexte. Essays, Interviews und Reden, AV-Edition, 1998
  • Kurt Weidemann, Wahrnehmen. Ideen finden. Gestalt geben, Hatje Cantz, 2004
  • Kurt Weidemann, Worte und Werte, Verlag Hermann Schmidt, 2005
  • Kurt Weidemann, Wortarmut. Im Wettlauf mit der Nachdenklichkeit, Hatje Cantz, 1995
  • Kurt Weidemann, Worte. Auf die Waage gelegt, auf die Schippe genommen, Hatje Cantz, 2000

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