Gott sieht alles. Im heiligen Land Tirol. Ein Erbauungsbuch.

Thomas Parth (A)

Tirol ist in der Profanität angekommen.

Den Kirchen und Kapellen, Marterln und Bildstöcken, Heiligenbildern, Hergottswinkeln und Kruzifixen, die Erscheinungsbild und Leben wesentlich mitprägten, geht es nicht viel anders als dem Katholizismus selbst. Sie vereinsamen.  Ein Teil wird restauriert und in Museen, in versperrten Kirchen und Kapellen für die Ewigkeit gerettet. Anderes verfällt, zerbröselt und wird früher oder später verschwinden. Doch gleich ob restauriert, ob irgendwo vergessen oder ob von einigen wenigen behütet: die Eingebundenheit in den Alltag, in den selbstverständlichen Kult, ihren Sitz im Leben haben die Objekte verloren. Ihre religiösen Verweise gehen großteils ins Leere.  Es ist nicht zuletzt der ästhetische Reiz dieser fortschreitenden Vereinsamung, der dieses neue Buch von Thomas Barth  bestimmt (zuletzt sorgte der Autor mit seinem Buch »Zimmer frei«, einer nahezu enzyklopädischen fotografischen Erfassung des Tiroler öffentlichen Tourismusbeschriftungswesens für Aufsehen). Es ist eine Vereinsamung, die letztendlich ins Museum oder zum Zerfall führt. Im Zerfall wird allerdings noch ein letztes Mal und nicht selten auf recht skurrile Weise der religiöse Verweis sichtbar. Zumeist intensiver, ästhetischer und unmittelbarer als in kunstvoll restaurierten Stücken.  »Gott sieht alles« beinhaltet das gesamte katholische Inventar: Dreifaltigkeiten, Herrgötter, Heilige Familien und Madonnen, Dornenkronen, Lendentücher, Heilige Herzen, Rosenkränze und Nothelfer, Augen Gottes, Heilige Geister und sonstige Heilige, Unbefleckte Empfängnis-Bilder, Engel, Teufel, Himmel und Höllen. Also alles. Jedenfalls sehr viel. Endgültig zum Erbauungsbuch wird »Gott sieht alles« schließlich durch löblich erprobte Gebete, ungehörig fromme Verweise und längst fällige Auslegungen. Und Gott? Der sieht alles und betrachtet das Buch wohlgefällig. Schließlich liebt er Erbauungsbücher. Besonders dieses.

denn vielfältig ist der Herrgott in »Gott sieht alles — im heiligen Land Tirol«
denn vielfältig ist der Herrgott in »Gott sieht alles — im heiligen Land Tirol«
Madonnen aus dem Buch »Gott sieht alles – im heiligen Land Tirol«
Madonnen aus dem Buch »Gott sieht alles – im heiligen Land Tirol«

Thomas Parth, Innsbruck. Studium: Theologie und Germanistik, Dissertation über Thomas Bernhard: »Verwickelte Hierarchien«. Tätigkeiten (cirka chronologisch): Lehrer, Univ.-Lektor in Budapest, Heirat (mittlerweile Vater von 4 Kindern), Lehrbeauftrager an der Universität Innsbruck, Redakteur, Schreiber, Gestalter, Verleger.

Publikationen

  • Thomas Parth, Gott sieht alles. Im heiligen Land Tirol. Ein Erbauungsbuch, Editiones, Innsbruck, 2011. 432 Seiten, EUR 34,–
    ISBN ISBN: 9783901976087. Mit ca. 750 Bildern aus Nord- und Osttirol von Helga und Thomas Parth
  • Thomas Parth, Zimmer frei. Tirol – Tourismus – Typographie, Editiones, Innsbruck, 2009; 272 Seiten, EUR 28,-, ISBN 9783901976070; Eine fotografische Dokumentation. Fotos und Texte von Thomas Parth. Textbeiträge von Christoph W. Bauer, Hubert Flattinger, Kurt Höretzeder, Yvonne Kathrein, Walter Klier, Michael Pfleger, Irmgard Rath-Kathrein, Andreas Stutter.

Weiterführende Links
Verlag von Thomas Parth www.editiones.com

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