Wie Grafikdesign ein Land formt

Grafikdesign wird zwar viel gesehen, aber selten gezeigt. Dabei formen Grafikdesigner mit ihren Linien, Farben, Logos, Schriften und Bildern ein Land wahrscheinlich ebenso wie Wind und Wetter … ein Klimaphänomen der besonderen Art, das eine grafische Landschaft schafft, die im Kopf der Betrachter entsteht.

Mit der Ausstellung „Ikonen und Eintagsfliegen. Arthur Zelger und das Grafikdesign in Tirol“ zeigte das Innsbrucker Forum für visuelle Gestaltung WEI  SRAUM vom 05. Dezember 2014 bis zum 14. Februar 2015 im aut. architektur und tirol erstmals eine Schau zum Tiroler Grafikdesign von 1950 bis heute. Im Mittelpunkt steht dabei Tirols wohl bekanntester Grafiker, Arthur Zelger.

Von 23. Juni bis 06. September 2015 ist die Schau im Designforum von designaustria im Wiener Museumsquartier zu sehen. – Eine gute Gelegenheit für alle, die sie in Innsbruck nicht besichtigen konnten!

2014 ist der hundertste Geburtstag und zugleich der zehnte Todestag von Arthur Zelger (1914–2004). Sein Nachlass wurde für diese Ausstellung von der Designforscherin Anita Kern umfassend aufgearbeitet und im Kontext seiner Herkunft und Wirkung bewertet.

Ausgebildet im Wien der 1930er-Jahre, prägte er das Grafikdesign in Tirol nach 1945. Seine Arbeiten und noch nie gezeigte Skizzen und Entwürfe eröffnen einen faszinierenden Blick hinter die Kulissen grafischer Arbeit. Sie erzählen die Entstehungsgeschichte von Plakaten und Logos nach, die zu Ikonen wurden – obwohl sie eigentlich nie mehr sein wollten als „Eintagsfliegen“, wie es Zelger selbst in einem späten Interview ausdrückte.

Seine Arbeiten werden begleitet von jenen weiterer bedeutender Gestalter des Landes: seinen Vorläufern ebenso wie jenen von Zeitgenossen, unter ihnen Ernst Insam, Maria Rehm, Gustav Sonnewend oder Helmut Benko. Beispiele herausragender grafischer Arbeiten bis herauf in die Gegenwart runden die Ausstellung ab. Sie skizziert damit eine Geschichte des Tiroler Grafikdesigns und setzt sie in Beziehung zu Entwicklungen in der unmittelbaren Nachbarschaft: der Schweizer Grafik, der Mailänder Designszene, der Hochschule für Gestaltung (HfG) Ulm – dort entstand in den 1950er-Jahren jenes Grafikdesign, das selbst heute noch als „modern“ gilt.

Aber was macht diese Grafik „modern“? Und welche Spuren finden sich darin im Tiroler Grafikdesign? Wie ist die „moderne“ Tourismuswerbung in Tirol entstanden? Wie wird darin eine Landschaft durch Abstraktion zu einem „Image“? Welche Menschenbilder werden – bewusst oder unbewusst – konstruiert? Wie wird bei einem Logo Schrift zu einem Bild? Was bedeutet der Wandel vom Künstlerplakat hin zu systematischen grafischen Erscheinungsbildern der Gegenwart?

Die Ausstellung wirft spannende Fragen auf und unternimmt erstmals in Tirol den Versuch, grafische Gestaltung aus einer kulturgeschichtlichen Perspektive zu betrachten und damit eine Skizze zu Geschichte und Gegenwart des Tiroler Grafikdesigns zu entwerfen. Und natürlich versucht sie, diese sprichwörtlich augenfällige Thematik in genussvoller Weise ins Bild zu setzen – in der Ausstellung ebenso wie in dem sie begleitenden Katalog.

 

 

anita_kern    kurt_hoeretzeder

Die Ausstellung wird kuratiert von Anita Kern und Kurt Höretzeder. Anita Kern ist eine der wenigen Expertinnen für Designforschung in Österreich und verfügt über langjährige Erfahrung in Forschung und Vermittlung von grafischen Themen (unter anderem Ausstellung der Sammlung Angewandte in Wien, diverse Publikationen). In über zweijähriger Arbeit wurde von ihr der Nachlass Arthur Zelgers gesichtet und aufgearbeitet. Kurt Höretzeder ist Gestalter sowie Gründer und Vorsitzender von WEI  SRAUM.

WEI  SRAUM
Projektinitiator und -träger ist WEI  SRAUM. Forum für visuelle Gestaltung Innsbruck, das seit dem Jahr 2005 mit Vorträgen und Workshops dazu beiträgt, das Bewusstsein für visuelle Gestaltung in Innsbruck und Tirol zu schärfen und einer breiten Öffentlichkeit zu vermitteln.
www.weissraum.at

Wir danken sehr herzlich allen Sponsoren und Fördergebern:
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